Mutmacher in der Corona-Krise: Wie Handel und Industrie konkret helfen

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Das Coronavirus fordert nicht nur die Wirtschaft, sondern die gesamte Gesellschaft heraus. Aus diesem Grund versuchen verschiedenste Unternehmen, ihren Beitrag zum Kampf gegen Covid-19 zu leisten. Wir stellen Ihnen in diesem Artikel ein paar inspirierende Beispiele vor und erläutern, warum solidarisches Handeln auch wirtschaftlich sinnvoll sein kann.

Das Coronavirus hat das wirtschaftliche Leben in vielen Bereichen zum Erliegen gebracht. Nicht nur große Industriekonzerne wie VW, BMW oder Daimler mussten ihre Produktion zurückfahren oder sogar einstellen, auch der stationäre Einzelhandel musste seine Pforten bis auf wenige Ausnahmen schließen. Dennoch gibt es viele Lichtblicke: Zahlreiche Unternehmen haben in Rekordtempo kreative Ideen entwickelt, wie sie Medizin und Gesellschaft auch während der Corona-Krise unterstützen können.

Industrie und Handel bekämpfen das Coronavirus

Die medizinische Versorgung der bereits mit dem Coronavirus Infizierten sowie der ausreichende Schutz des Pflegepersonals haben derzeit oberste Priorität. Aus diesem Grund haben viele Unternehmen, die eigentlich nicht im medizinischen Bereich tätig sind, Initiativen gestartet. In diesen bündeln sie ihre Innovationskraft und ihre Produktionskapazitäten, um Ärzt*innen und Pfleger*innen bei ihrer lebenswichtigen Aufgabe zu unterstützen.

So haben beispielsweise die italienische 3D-Druck-Firma Isinnova und der französische Sportartikelhändler Decathlon gemeinsam einen Weg gefunden, Tauchermasken zu improvisierten Beatmungsgeräten umzufunktionieren. Da erste Tests mit dem für Notfälle gedachten System erfolgreich waren, wurden bereits 500 Masken produziert.

Doch es müssen nicht unbedingt Produktinnovationen sein. Spirituosen- und Bierhersteller wie Jägermeister und Beck’s stellen derzeit umfangreiche Alkoholreserven zur Verfügung, aus denen dringend benötigte Desinfektionsmittel produziert werden können.

Um in diesem Bereich tätig zu werden, braucht man keine langen Produktionsstraßen. Dies beweist zurzeit Benedikt Brauers, der in seiner Destillerie „Wanderer Gin“ normalerweise Spirituosen herstellt und teilweise online vertreibt. Der Gründer hat seine Produktion nun ebenfalls auf Alkohol für Desinfektionsmittel umgestellt. Da seine Kapazitäten jedoch begrenzt sind, bat er seine Mitmenschen über soziale Netzwerke um nicht benötigte klare Schnäpse wie Wodka, Korn, Aquavit oder Gin. Innerhalb kurzer Zeit haben sich bereits über 1.000 Hilfsbereite in seine „Fusel-Spenderliste“ eingetragen.

Unterstützung für das medizinische Personal

Darüber hinaus haben sich einige Unternehmen Gedanken darüber gemacht, wie das momentan stark beanspruchte Pflegepersonal auch abseits der Krankenhäuser unterstützt werden kann. Um gerade diesen Menschen flexible Mobilität zu bieten, verteilt beispielsweise die Mietwagenfirma Sixt in einigen Städten Gutscheine für die eigene Carsharingflotte. Auf diese Weise können Ärzt*innen und Pfleger*innen ihren Arbeitsplatz erreichen, ohne dafür den mit einem Ansteckungsrisiko verbundenen ÖPNV nutzen zu müssen.

Dass sich Pflegekräfte an ihrem Arbeitsplatz vollkommen auf ihre Aufgabe konzentrieren können, ist ebenfalls von zentraler Bedeutung. Daher hat die Online-Plattform Yoopies, die üblicherweise Babysitter und Tagesmütter vermittelt, ein Portal entwickelt, in dem gezielt nach Kinderbetreuung für systemrelevante Berufsgruppen gesucht wird. Darüber hinaus können auch Alltagshelfer*innen für Seniorinnen und Senioren sowie Online-Nachhilfelehrer*innen über die Plattform ihre Dienste anbieten.

Eine Vermittlungsplattform der besonderen Art hat auch Flyla entwickelt: Das Start-up, das bislang günstige Flugreisen an Studierende verkaufte, möchte über das Portal „CleverAckern“ seine Zielgruppe mit der Landwirtschaft zusammenbringen. Auf diese Weise können Studierende, deren Semesterbeginn sich verschiebt, als Erntehelfer*innen einspringen und dabei helfen, die Lebensmittelversorgung sicherzustellen. Bis jetzt konnte die Plattform nach eigenen Angaben bereits über 40.000 Anmeldungen verzeichnen.

Gegenseitige Unterstützung im Handel

Die Covid-19-Pandemie und ihre Folgen bedroht zahlreiche Handelsunternehmen in ihrer Existenz. Um die Schockstarre im Handel zu überwinden, hat Marcus Diekmann, CEO von Rose Bikes, die LinkedIn-Gruppe „Händler helfen Händlern“ gegründet. In dieser können sich Händlerinnen und Händler untereinander vernetzen und gemeinsam nach Kooperationsmöglichkeiten und Lösungen für ihre vielfältigen Herausforderungen suchen. Die Initiative hat bereits etwa 2.000 Mitglieder und wächst weiter.

Ablenkung für die Daheimgebliebenen

Aufgrund der Corona-Krise müssen aktuell zahlreiche Menschen viel Zeit in ihren eigenen vier Wänden verbringen. Damit kein Lagerkoller entsteht, haben zahlreiche Firmen Angebote gegen die Langeweile entwickelt.

So hat beispielsweise das Verlagshaus Gruner & Jahr bis zum 30. April 40 Magazine aus seinem Portfolio kostenlos als ePaper freigeschaltet. Für die Kleinsten stellt hingegen das Unternehmen Hurra Helden, das personalisierte Kinderbücher vertreibt, ein kostenloses personalisiertes Malbuch bereit, das Eltern auf Anfrage per Mail zugesandt wird.

Die gezeigte Solidarität kann auch den Unternehmen selbst nutzen

So unterschiedlich die einzelnen Aktionen auch sein mögen – sie alle haben auch für die Unternehmen einige positive Nebeneffekte.

  • Die Belegschaft kann weiterhin sinnvollen Tätigkeiten nachgehen: Zahlreiche Unternehmen haben derzeit aufgrund fallender Nachfrage mit Leerläufen in der Produktion zu kämpfen, die sich auch auf die Auslastung der Belegschaft auswirken. Durch neue Aufgaben können eventuelle Lücken im Arbeitstag sinnvoll gefüllt werden – auch wenn sich diese vielleicht nicht finanziell für das Unternehmen auszahlen. Der Beitrag zum Kampf gegen das Coronavirus erhöht zudem die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

  • Die Unternehmen können ihr Image verbessern: Die Covid-19-Pandemie ist aktuell das bestimmende Thema und sorgt meist für schlechte Nachrichten. Daher sehnen sich viele Menschen nach guten Neuigkeiten. Unternehmen, die sich gegen das Virus engagieren, gehören definitiv zu dieser Kategorie und dürfen daher auf einen erheblichen Imagegewinn hoffen.

  • Die Unternehmen bringen potenzielle Kundschaft in Kontakt mit ihrem Angebot: Mitunter bieten die Hilfsaktionen auch die Möglichkeit, potenziellen Kundinnen und Kunden das eigene Produktportfolio vorzustellen – und sie auch über die Corona-Krise hinaus zu überzeugen.

Sie tun auch etwas? Berichten Sie uns davon!

Bei allem gesellschaftlichen Engagement, das Firmen mit ihren Solidaritätsaktionen zeigen, kann es sich also auch im unternehmerischen Eigeninteresse lohnen, der Gesellschaft im Kampf gegen das Coronavirus etwas zurückzugeben. Vielleicht finden Sie ja auch in Ihrer Firma Anknüpfungspunkte oder Lösungsansätze, wie Sie sich beteiligen können. Oder haben Sie sogar bereits eine eigene Aktion gestartet? Dann teilen Sie Ihr Angebot und Ihre Erfahrungen gerne in den Kommentaren.

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