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Positive Bewertungen kaufen? Das solltest du vorher wissen!

Symbolbild: Geld wird für eine Tüte Bewertungssterne angeboten.

Kundenbewertungen sind für viele Online-Shops ein entscheidender Erfolgsfaktor. Sie schaffen Vertrauen, beeinflussen Kaufentscheidungen und verbessern das Ranking in Suchmaschinen und auf Plattformen. Doch der Wunsch nach möglichst vielen positiven Bewertungen verleitet manche Unternehmen dazu, diese aktiv „zuzukaufen“ – sei es über Agenturen, Freelancer oder direkte Anreize für Rezensent*innen.

Doch Vorsicht: Das ist in den allermeisten Fällen hoch riskant und rechtlich unzulässig!

In diesem Rechtstipp der Woche erfährst du, warum der Kauf positiver Bewertungen problematisch ist, welche Konsequenzen drohen und was für Alternativen es gibt.

Warum ist der Kauf positiver Bewertungen problematisch?

Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) stellt klare Regeln auf. Seit der Umsetzung der Omnibus-Richtlinie (u. a. durch die Einführung von § 5b Abs. 3 UWG und der „Schwarzen Liste“) gelten gefälschte oder erkaufte Verbraucherbewertungen als per-se unlauter:

  • Nr. 23c des Anhangs zu § 3 Abs. 3 UWG verbietet ausdrücklich die Übermittlung, Beauftragung oder falsche Darstellung von Verbraucherbewertungen zu Zwecken der Verkaufsförderung.
  • Wer mit Bewertungen wirbt, die nicht von echten Kunden stammen oder durch Gegenleistungen (Geld, Gutscheine, Rabatte, Gratisprodukte) beeinflusst wurden, ohne dies transparent offenzulegen, täuscht Verbraucherinnen und Verbraucher über die Echtheit und Unabhängigkeit der Meinungen (§ 5 UWG – Irreführung).

Verbraucher*innen gehen davon aus, dass eine 5-Sterne-Bewertung aus echter Zufriedenheit entstanden ist – nicht aus einer bezahlten Gegenleistung. Genau diese Irreführung macht die Praxis wettbewerbswidrig.

Welche Konsequenzen drohen bei gekauften Bewertungen?

  • Abmahnungen durch Mitbewerber oder Verbände mit Unterlassungsaufforderung und Pflicht zur Kostenerstattung. Gegenstandswerte liegen schnell im fünfstelligen Bereich.
  • Vertragsstrafen bei Missachtung von Unterlassungserklärungen und Ordnungsgelder bei Missachtung gerichtlicher Unterlassungsverfügungen im vier- bis fünfstelligen Bereich.
  • Plattform-Sanktionen: Google, Amazon, Trustpilot & Co. löschen verdächtige Bewertungen, drosseln die Sichtbarkeit oder sperren Accounts.
  • Reputationsschaden: Wird die Manipulation öffentlich, verlieren Kundinnen und Kunden das Vertrauen – das wirkt oft nachhaltiger als der kurzfristige Umsatzgewinn.
  • In besonders schweren Fällen (z. B. systematische Täuschung) können auch Bußgelder oder strafrechtliche Aspekte (getarnte Werbung) eine Rolle spielen.

Zusätzlich besteht eine Informationspflicht nach § 5b Abs. 3 UWG: Wer Bewertungen auf der eigenen Website oder im Shop anzeigt, muss transparent machen, welche Maßnahmen er ergreift, um die Echtheit zu prüfen (z. B. ob und wie überprüft wird, dass Bewertungen nur von tatsächlichen Käufer*innen stammen).

Was ist empfehlenswert – und was nicht?

Empfehlenswert ist:

  • Echte Kundinnen und Kunden nach einem abgeschlossenen Kauf höflich um eine Bewertung zu bitten (ohne Gegenleistung oder Druck und ohne Spam).
  • Transparente Anreizsysteme, sofern klar gekennzeichnet (z. B. „Diese Bewertung entstand im Rahmen eines Produkttests“).
  • Die Veröffentlichung aller Bewertungen (positiv wie negativ), ohne selektives Löschen.

Nicht empfehlenswert ist:

  • Positive Bewertungen gegen Geld oder Vorteile zu kaufen.
  • Freunde, Mitarbeiter oder bezahlte Dritte unauffällig/heimlich bewerten zu lassen.
  • Fake-Profile oder Bot-Bewertungen einzusetzen.

So sammelst du auf legalem Weg Kundenbewertungen

Bewertungen zu kaufen, ist nicht nur potentiell gefährlich und rufschädigend, es ist auch vollkommen unnötig. Es gibt genug legale Optionen, um an authentische Kundenbewertungen zu gelangen.

Nutze einen seriösen Drittanbieter wie Trusted Shops oder Google Rezensionen. Bitte deine Kundschaft ein paar Tage nach dem Kauf darum, eine Bewertung für deinen Online-Shop abzugeben. Wenn du den optimalen Zeitpunkt für den Versand der Bewertungseinladung definiert hast, wird dies deine Bewertungs-Konversion erhöhen. Zudem sind die Gestaltung der Einladung und die richtige Ansprache entscheidend für den Erfolg.

👉 Ausführliche Tipps, wie du an frische Rezensionen kommst, findest du im Blogbeitrag „So sammelst du mehr Kundenbewertungen und steigerst deinen Erfolg“. 

Unser Tipp

Setze auf Authentizität statt auf Manipulation. Echte Bewertungen entstehen durch gute Produkte, exzellenten Service und ein faires Einkaufserlebnis. Nutze vertrauenswürdige Tools, um Kundenbewertungen zu sammeln, und prüfe regelmäßig die Echtheit eingehender Rezensionen. Wer transparent kommuniziert, gewinnt langfristig mehr Vertrauen als durch kurzfristig erkaufte Sterne.

Bei Unsicherheiten: Unsere Spezialist*innen im E-Commerce-Recht kennen alle rechtlichen Fallstricke beim Thema Werbung mit Bewertungen und unterstützen dich gern im Rahmen des Legal Enterprise Pakets! Ein kleiner Aufwand heute kann teure Abmahnungen morgen verhindern. Bleibe fair im Wettbewerb – deine Kundschaft wird es dir danken.

31.03.26
Nikola Sarac

Nikola Sarac

Nikola Sarac ist Legal Consultant bei Trusted Shops und Rechtsanwalt in der Kanzlei FÖHLISCH. Er ist zudem seit dem Jahr 2020 Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz.

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