So vermeidest du, dass dein Amazon-Konto gesperrt wird!
Erfahre, wie du die Sperrung deines Amazon-Kontos vermeidest, welche Gründe es dafür gibt und wie du im Falle einer Sperrung rechtlich reagieren kannst.
„Schließung Ihres Amazon-Kontos” oder „Ihr Konto wurde deaktiviert”: Solche Nachrichten von Amazon kommen für einen Online-Shop meist ohne Vorwarnung. Plötzlich ist der Zugriff auf das Verkäuferkonto verwehrt, Verkäufe über einen der wichtigsten Vertriebskanäle können nicht mehr abgewickelt werden - nicht selten steht die Existenz des Geschäfts auf dem Spiel. Häufig lässt sich der Nachricht von Amazon nicht einmal entnehmen, weshalb das Konto gesperrt wurde. Ohne diese Information gestaltet sich die Kommunikation mit Amazon erfahrungsgemäß schwierig.
Welche Gründe für eine Sperrung des Verkäuferkontos in Betracht kommen, wie du solche Vorfälle möglichst vermeiden kannst und welches Vorgehen bei einer Sperrung sinnvoll erscheint, auch angesichts der aktuellen digitalen Gesetzgebung der Europäischen Union (insbesondere des Digital Services Act und der P2B-Verordnung), erfährst du in diesem Rechtstipp der Woche.
Bei Kontobeschränkungen oder gar Sperrungen bedienen sich Plattformen wie Amazon häufig Technologien, die auf künstlicher Intelligenz beruhen. Mittels Algorithmen kann der Kontostatus bei Vorliegen bestimmter Parameter unvermittelt geändert werden. So kann es sein, dass dein Konto von heute auf morgen als „Gefährdet” eingestuft wird, was das Risiko einer dauerhaften Kontosperrung erheblich erhöht.
Was sind die häufigsten Fälle, in denen es zu einer Sperrung kommt, und welche präventiven Maßnahmen sind sinnvoll?
Amazon beruft sich häufig auf einen angeblich festgestellten Verstoß gegen eigene vertragliche Bedingungen, vor allem den Business Solutions Vertrag oder weitergehende Richtlinien. So kommt es etwa vor, dass ein Verstoß gegen die Richtlinien über Verbotene Handlungen und Verkaufsaktivitäten vorgeworfen wird. Danach ist es z. B. verboten, den eingerichteten Amazon-Verkaufsprozess zu umgehen oder Endkund*innen auf andere Webseiten oder Verkaufsprozesse umzuleiten.
Besonders relevant sind Fälle, in denen Amazon eine Manipulation von Bewertungen annimmt. Eine Aufforderung zur Bewertungsabgabe ist zwar erlaubt; der Kundschaft dürfen jedoch keine Bezahlung oder sonstige Anreize für das Abgeben oder Entfernen einer Bewertung angeboten werden. Auch die Kommunikation mit der Kundschaft ist durch die Kommunikationsrichtlinien streng geregelt.
Unser Tipp
Nimmt dir Zeit, die relevanten Vertragsdokumente und Richtlinien in deinem Seller Central sorgfältig zu lesen. Beim Thema Bewertungsaufforderungen ist besondere Vorsicht geboten: Bereits der Versand einer Bewertungsbitte wird von der Rechtsprechung als Werbung eingestuft und erfordert die vorherige Einwilligung der Kundschaft. Achte bei Rabatten oder Gutscheinen darauf, dass diese aus Sicht der Endkund*innen nicht als Anreiz für die Bewertungsabgabe interpretiert werden.
Ebenso häufig wird eine vermeintliche Verletzung von Rechten Dritter - etwa Urheber-, Marken- oder Designrechten - über das von Amazon bereitgestellte Formular gemeldet, woraufhin Amazon einzelne Angebote oder das Konto selbst sperrt. Im Wege dieses Notice-and-take-down-Verfahrens ist Amazon relativ schnell zu einschneidenden Maßnahmen bereit. Denn spätestens nach Kenntniserlangung ist die Plattform verpflichtet, die problematischen Inhalte zu prüfen und ggf. zu entfernen, um eine eigene sog. Störerhaftung zu vermeiden.
Unser Tipp
Verwende selbst erstellte oder fremde Produktbilder ausschließlich nach Zustimmung (Lizenz) der berechtigten Personen. Gleiches kann für einzelne Produktbeschreibungen und weitere Texte im Angebot gelten. Vergewissere dich umfassend über die Zuverlässigkeit deiner Lieferanten und frage bei Zweifeln an der Rechteinhaberschaft nach. Prüfe insbesondere, ob im Einzelfall Plagiate geliefert wurden - dabei handelt es sich stets um eine Markenverletzung, die nicht nur zur Kontosperrung, sondern auch zu teuren Abmahnungen oder sogar zu einem Ermittlungsverfahren führen kann.
Fremde Marken dürfen unter bestimmten Umständen zulässigerweise benutzt werden. Hierzu empfiehlt sich unbedingt eine Rechtsberatung vorab, um potenzielle Rechtsverletzungen zu vermeiden. Weitere Informationen findest du in unserem diesbezüglichen Rechtstipp der Woche.
Soweit Amazon die Zahlungsabwicklung auf der Plattform für dich übernimmt, ist die Plattform aufgrund der Geldwäsche-Vorschriften zur Durchführung einer eingehenden Legitimationsprüfung verpflichtet (sog. Know Your Customer (KYC)-Regime). Unsere Praxis zeigt, dass es dabei häufig zu Schwierigkeiten kommt.
Wird der Verifizierungsprozess aus Sicht von Amazon nicht abgeschlossen und verzögert sich die Klärung, kann Amazon das Konto sperren, bevor die verbleibenden Legitimationsfragen ausgeräumt sind.
Unser Tipp
Behalte die von Amazon zum Thema bereitgestellten Informationen im Blick. Teilweise stehen ergänzende Hilfsmaterialien, z. B. in Form von Webinaren, zur Verfügung. Prüfe zudem regelmäßig deine Kommunikation über das Seller Central. Häufig werden auf diesem Wege Informationen oder Unterlagen zu Legitimationszwecken angefordert, die du direkt hochladen kannst. Bei Umfirmierungen oder Adressänderungen solltest du dich vorab informieren, welche ergänzenden Nachweise Amazon benötigt.
Last, but not least: Amazon misst und bewertet kontinuierlich die Leistung der Online-Shops anhand mehrerer Parameter und bestimmt so den Kontostatus nahezu in Echtzeit. In die Bewertung fließen potenzielle Verstöße gegen Amazons Richtlinien sowie weitere Aspekte ein - etwa Versandzeiten, Handhabung von Retouren, Kundenservice, Kundenkommunikation und erzielte Bewertungen.
Unser Tipp
Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Betreuung des Amazon-Shops über ein kleines, jedenfalls aber speziell geschultes Team abzuwickeln. So werden Erfahrungswerte gesammelt und der Shop individuell und fachkundig betreut. Die involvierten Angestellten können sich primär auf das Amazon-Geschäft konzentrieren und sich um Artikelpflege, Retouren, Kundenkommunikation und Kundenservice kümmern.
Wichtig ist, auf Nachrichten der Kundschaft möglichst zeitnah zu reagieren und Geschäftsprozesse bereits beim Wareneinkauf gut zu organisieren. Erreichbarkeit und Zuverlässigkeit im Kundenservice, eine ordnungsgemäße Lagerbestandsverwaltung sowie Qualitätskontrolle sind ebenso essenziell. Die Teilnahme am Programm Versand durch Amazon (FBA) kann in diesem Zusammenhang zu Erleichterungen führen.
Kontosperrungen sind keinesfalls automatisch berechtigt. Als erste Reaktion steht dir das vorgesehene Amazon-Verfahren offen: Du kannst Widerspruch einlegen und einen Maßnahmenplan einreichen, der Amazon davon überzeugen soll, dass das Problem behoben und geeignete Vorkehrungen für die Zukunft getroffen wurden. In der Praxis ist die Kommunikation mit Amazon in dieser Phase häufig schwierig, teilweise besteht überhaupt keine direkte Kontaktmöglichkeit.
Wichtig zu wissen: Betroffene Händler*innen verfügen inzwischen über zusätzliche gesetzliche Hebel, die unabhängig vom internen Amazon-Verfahren geltend gemacht werden können. Seit dem 12. Juli 2020 gilt die P2B-Verordnung (Verordnung (EU) 2019/1150), seit dem 17. Februar 2024 zusätzlich der Digital Services Act (Verordnung (EU) 2022/2065), ausführlich hierzu unser Beitrag zum DSA). Danach gilt:
Amazon muss jede Sperrung oder Beschränkung des Verkäuferkontos konkret und nachvollziehbar begründen. Nach Art. 4 Abs. 1 P2B-Verordnung ist die Begründung unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger zu übermitteln. Bei einer vollständigen Beendigung der Dienste hat sie grundsätzlich mindestens 30 Tage im Voraus zu erfolgen (Art. 4 Abs. 2 P2B-Verordnung). Art. 17 DSA verlangt darüber hinaus die Angabe der zugrunde liegenden Tatsachen, der verletzten Vertrags- oder Rechtsnorm sowie einen Hinweis auf den Einsatz automatisierter Mittel. Pauschale Verweise auf einen „Richtlinienverstoß” genügen diesen Anforderungen nicht.
Nach Art. 20 DSA muss Amazon ein kostenloses internes Beschwerdesystem vorhalten. Die Beschwerde darf nicht ausschließlich automatisiert bearbeitet werden. Führt sie nicht zum Erfolg, eröffnet Art. 21 DSA den Weg zu einer außergerichtlichen Streitbeilegung bei einer zertifizierten Stelle. Unterliegt die Plattform, trägt sie nach Art. 21 Abs. 5 DSA die Verfahrenskosten. Das senkt die wirtschaftliche Hürde für Händler*innen.
Bleibt eine Sperrung unbegründet oder wird die Begründung nicht substantiiert, kommt ein Anspruch auf Unterlassung der fortlaufenden Sperrung in Betracht, der unter Umständen auch im Wege der einstweiligen Verfügung geltend gemacht werden kann.
Für betroffene Händler*innen bietet sich folgendes strukturiertes Vorgehen an:
1. Sperrmitteilung sichern. E-Mail und Kontostatus im Seller Central mit Datum und Uhrzeit als PDF speichern.
2. Begründung prüfen. Enthält die Mitteilung die konkrete Tatsachengrundlage, den Verweis auf die Vertrags- oder Rechtsnorm und einen Hinweis auf automatisierte Entscheidungen? Fehlen diese Angaben, liegt ein Verstoß gegen Art. 17 DSA bereits nahe.
3. Sperrgrund eingrenzen. Leistungsbenachrichtigungen, Konto-Status und zuletzt geänderte Kontodaten im Seller Central sichten.
4. Kein Zweitkonto anlegen. Ein paralleles Konto wird über Identitäts-, Zahlungs- und Gerätedaten erkannt und beschleunigt die endgültige Deaktivierung.
5. Fristgerecht Widerspruch einlegen und einen sachlichen Maßnahmenplan einreichen. Ursache benennen, Behebung dokumentieren und Präventionsmaßnahmen darstellen.
6. Parallel Rechtsbehelfe nach DSA und P2B-VO prüfen und ggf. geltend machen. Interne Beschwerde nach Art. 20 DSA einreichen und - bei ausbleibender Reaktion - eine außergerichtliche Streitbeilegung prüfen.
7. Frühzeitig rechtlichen Rat einholen. Insbesondere bei drohendem Umsatzausfall oder einbehaltenen Zahlungen ist eine anwaltliche Unterstützung zielführend.
Idealerweise sollte es von vornherein nicht zu einer Beschränkung oder Sperrung deines Amazon-Kontos kommen. Kommt es dennoch dazu, kannst du dich auf unsere langjährige Expertise im E-Commerce-Recht verlassen. In Kooperation mit unserer Partnerkanzlei FÖHLISCH Rechtsanwälte bieten wir unseren Kund*innen im Bereich Legal Premium, Enterprise und Ultimate zunächst die Option der telefonischen Rechtsberatung an.
In den Paketen Legal Enterprise und Legal Ultimate ist zudem die unmittelbare anwaltliche Unterstützung einschließlich der Korrespondenz mit der Plattform enthalten. Unsere Partnerkanzlei prüft die Sperrbegründung und unterstützt dich außergerichtlich mit einem Schreiben zur Freischaltung des gesperrten Verkäuferkontos.
Zögere nicht, dich frühzeitig bei uns zu melden: Je zügiger die Reaktion auf die Sperrmitteilung erfolgt, desto besser die Chance auf eine Freischaltung.
Dieser Beitrag stammt aus August 2022 und wurde im September 2026 aktualisiert.
22.09.26Erfahre, wie du die Sperrung deines Amazon-Kontos vermeidest, welche Gründe es dafür gibt und wie du im Falle einer Sperrung rechtlich reagieren kannst.
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