So profitiert Ihr Online-Shop vom Offline-Handel (und umgekehrt)

14.05.2020, 3m

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Als gegnerische Lager präsentieren sich Online- und Offline-Handel häufig in öffentlichen Debatten. Doch bei genauerer Betrachtung fällt das Bild differenzierter aus. An vielen Stellen profitieren beide Bereiche von einer Zusammenarbeit. Wir verraten Ihnen, wie Sie als Online-Händlerin oder -Händler eine lohnenswerte Kooperation mit Geschäften vor Ort eingehen.

Die Bereitschaft ist da: In einer Trusted-Shops-Umfrage zur Corona-Krise bekräftigen über die Hälfte der befragten Online-Händler*innen ihre Bereitschaft, mit stationären Unternehmen zusammenzuarbeiten. Jedoch geben mit 56 Prozent ebenfalls knapp über die Hälfte der Befragten an, dass sie nicht wissen, wie so eine Kooperation aussehen könnte. Daher möchten wir Ihnen in diesem Artikel einige Ideen vorstellen.

Connected Commerce: kanalübergreifendes Einkaufserlebnis

Die Zusammenarbeit von Online- und Offline-Handel nennt sich „Connected Commerce“. Bei dem Konzept geht es um eine Verknüpfung von Shopping-Kanälen. Ziel ist es, Verbraucherinnen und Verbrauchern ein kanalübergreifendes Einkaufserlebnis zu ermöglichen. Sie entscheiden im besten Fall selbst, welcher Kanal eines Unternehmens für sie der geeignete ist. Händler profitieren auf der anderen Seite von höheren Absatzmöglichkeiten.

Corona-Krise wirkt als Katalysator

Die in der Corona-Krise geltenden Abstands- und Hygieneregeln bringen einen neuen Impuls in das Konzept des Connected Commerce. Da sich je nach Regelung nur eine bestimmte Anzahl Menschen pro definierter Quadratmeterfläche in einem Ladengeschäft aufhalten dürfen, können insgesamt weniger Leute vor Ort bedient werden. Ein weiterer Aspekt ist die Bequemlichkeit: Nicht jeder steht gerne lange an, um einen Laden betreten zu können.

So wird der Online-Handel vorerst ein starker Alternativkanal für viele Menschen bleiben oder werden, auch für solche, die in der Vergangenheit nicht unbedingt online-affin waren.

Zwei Drittel aller Verbraucher*innen begrüßen Connected Commerce

Schon vor der Corona-Krise haben Verbraucherinnen und Verbraucher Connected Commerce begrüßt. In einer IFH-Studie von Dezember 2019 bekunden gut zwei Drittel der Befragten ihr Interesse an Connected-Commerce-Angeboten. Bei den 16-29-jährigen sind es sogar drei Viertel.

Die Gründe liegen auf der Hand: Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren von der hohen Flexibilität beim Shopping und können ihr Einkaufsverhalten der eigenen Lebenssituation und den eigenen Gewohnheiten anpassen. Das gilt für die Geräte, die sie verwenden, als auch für den Wohnort oder die eigene Mobilität.

Erfolgreiche Beispiele gibt es viele

Es gibt bereits einige erfolgreiche Beispiele für Connected Commerce.

Auf der Verkaufsplattform Schuhe24.de bieten lokale Schuhhändler ihre Ware an. Sie bleiben dabei anonym und brauchen die Schuhe bei Bestellung lediglich zu versenden. Im Gegenzug erhält die Plattform pro Verkauf eine Provision.

Auf diese Weise profitieren beide Seiten: Für die lokalen Händler fällt der Aufwand weg, einen eigenen Online-Shop aufzusetzen und zu etablieren. Sie erreichen über die Plattform online-affine Käuferinnen und Käufer, die im Ladengeschäft nicht unbedingt Halt gemacht hätten. Die Verkaufsplattform Schuhe24.de kann durch die Zusammenarbeit mit stationären Geschäften ein viel größeres Sortiment anbieten und verdient an der Provision.

Dominik Benner, Geschäftsführer von Schuhe24.de, verrät, worauf es bei der Zusammenarbeit ankommt:

"Besonders wichtig ist eine intensive Zusammenarbeit mit Warenwirtschafts-Anbietern. Das erhöht die Datenqualität und die Geschwindigkeit, stationäre Händler online zu nehmen. Zudem ist ein genaues Verständnis für die Sortimente essenziell."

Ein ähnliches Modell wie Schuhe24.de bietet der Online-Mode-Händler Zalando lokalen Unternehmen im Bereich Textil an. Sie sind mittels einer Software-Lösung an die Verkaufsplattform angeschlossen und können darüber Bekleidung aus dem lokalen Geschäft an Kundinnen und Kunden verkaufen.

Beispiele für Verkaufsplattformen, auf denen sich lokale Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen finden, sind Etsy und Real.

Ideen für eine Kooperation

Die folgenden Punkte liefern Ihnen Ideen für Ihre Zusammenarbeit mit lokalen Händlern:

  • Gleiche Branche aufsuchen: Schauen Sie, welche lokalen Unternehmen vor Ort in der Branche Ihres Online-Shops tätig sind. Hier lohnt sich eine Kooperation besonders. Alternativ kann auch die Zusammenarbeit mit ergänzenden Angeboten fruchtbar sein, z.B. Gartenmöbel mit Einrichtung für drinnen.

  • Lokal gleich nachhaltig: Vor Ort einkaufen gilt als nachhaltig, da die Lieferwege kurz sind. Zudem stärken Kundinnen und Kunden damit die Wirtschaft in ihrer Region. Deshalb kann es Ihr Image als Händler stärken, wenn Sie mit Unternehmen vor Ort zusammenarbeiten.

  • Artikeltausch: Bieten Sie ausgesuchte Artikel lokaler Unternehmen in Ihrem Online-Shop an und umgekehrt.

  • Werbetausch: Bewerben Sie sich gegenseitig mit einem lokalen Unternehmen. Zum Beispiel kann ein stationäres Geschäft dafür werben, dass es weitere Artikel in einem Bereich online gibt und Sie können umgekehrt dafür werben, bestimmte Artikel in einem Laden vor Ort auszuprobieren.

  • Zielgruppen steuern: Analysieren Sie, wer von Ihrer gemeinsamen Kundschaft lieber online und wer lieber offline kauft. Lenken Sie die Zielgruppen entsprechend in Ihrer Kommunikation, z.B. jüngere Menschen auf die Website, ältere in den Laden.

  • Gemeinsame Events organisieren: Wenn es für Ihre Branche möglich ist, können Sie zusammen mit lokalen Händlern gemeinsame Events vor Ort organisieren. Zum Beispiel Online-Kurse zu bestimmten Themen, Verköstigungen, Präsentationen, etc.

Pragmatismus entscheidet

So unterschiedlich Zielgruppen sind, so haben sie doch eins gemeinsam: Sie möchten auf unkomplizierte und sichere Weise einkaufen. Für Kundinnen und Kunden stellt dabei der Kanal keine Glaubensfrage dar, sie wählen ihn vielmehr unter pragmatischen Gesichtspunkten aus. Deshalb ist eine Zusammenarbeit von Online- und Offline-Handel an vielen Stellen lohnenswert.

 

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